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Franziska Kuffer *14.06.77  +11.09.2016

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Abschiedsfeier für Francis 26.09.2016

I got You on Tape: Somersault

Hier ist nicht der Anlass und Franziska nicht der Mensch, um nur Konventionen zu fol­gen. Wenn unser Anliegen mit der Konvention übereinstimmt, soll’s recht sein. Wir feiern mit Franziska. Obwohl sie unser Kind ist, das jüngste unserer vier Kinder, ist sie uns allen vorausgegangen, Francis, ein Mensch von uns, mit uns, unter uns, von dem wir gelernt haben, wie man leben und wie man sterben kann, ein Kind, das eine starke Frau war, eine Frau, die sich freuen und lachen und leben konnte wie ein Kind. Sie hat zu uns gesagt: Ich konnte leben, wie ich es mir gewünscht habe.

Ich verkneife mir väterlichen Stolz, den ich haben könnte, denn sie hat viel erreicht und sie hatte Erfolg in ihrer Branche der Mediengestaltung und des Grafikdesign. Natürlich ist ihr der Abschied schwer gefallen aus ihrem Berliner Dorf, das sie sich geschaffen hat, der Abschied von ihrer Vision, die sie mit Fleiß und ohne Ellenbogen sondern mit An­stand realisiert hat. Von ihrer Musik, die immer da war wo sie war. Von den heftigen Jahren ihres Musikmanagements in Heinz‘ Kleinkunstkneipe, des Auflegens im Mysliwska und anderen Clubs. Sie war präsent mit ihrem Humor, ihrer Phantasie, ich denke, sie be­zauberte und überzeugte mit ihrer fränkisch-oberpfälzischen Geradlinigkeit. Francis kannte keine langweilige Zufriedenheit, sie wollte alles wissen und kennen lernen: ob in Berlin, in Mexico, in Australien.

Genau so ist sie auch in ihre Erkrankung gegangen. Ein starkes Licht brannte in ihr und deshalb haben wir lange an ihre Heilung geglaubt. Ihr Humor zeigte sich nicht nur in dem köstlichen Zug um ihre Mundwinkel, sondern z.B in ihrem erstaunt wachen Hören der Kapitulationsmeldungen von der Chemofront. Nichts hat sie verdrängt. Ihr Humor ist Ausdruck ihres nativen Verstehens der Menschen und Dinge und Situationen, die sie um­gaben und der Liebe zu ihnen. Ja, Francis konnte lieben.

img_2321In den letzten Wochen, als ihr Lymphom sämtliche Waffen und Wälle der medizinischen Wissenschaft überrollt hatte und nicht mehr zu unterscheiden war, was sie schlimmer zu­richtet, der Tumor oder die Therapie und sie täglich hilfebedürftiger wurde, war ihre große Sorge, dass wir zu sehr belastet sein könnten um ihretwillen.

In dieser Zeit wurden wir alle gehalten und getröstet durch Francis‘ und unsere Ver­wandten und Freunde, die den Kontakt mit uns hielten durch Besuche und geschenkte Glücksmomente, wie Brunis Rundflug, unser eigentlich missglückter und doch so schöner Kurzurlaub am Chiemsee. Noch einmal ein Kellerbesuch in Meedensdorf, ein kleiner Plüschwolf von Manni und Moni und kurz vor ihrem Tod noch eine Zigarette von der Nachbarin. (Ich kann jetzt nicht alles aufzählen)

Hilfe und Trost auch durch die ambulante und stationäre Palliativmedizin und -pflege für die wir am Ende sehr dankbar waren.

Vor allem aber durch ein neu erblühtes Glaubensleben, das uns, wieder Eltern und wie­der Kind, gemeinsam in die Mitte geführt hat. Francis, die es nicht mit der Kirche hatte und wir, die wir als Eltern und Geschwister die Erfahrung der Hilflosigkeit und Enttäu­schung unserer Hoffnungen machen mussten, konnten in den letzten Monaten großen Frieden durch Meditation und Gebet finden.

Ja, wir wurden in die Mitte geführt, vor das Angesicht dessen, der im Tod und in der Auferstehung ist. Ja, wir mussten begreifen: Gott ist schrecklich, kein Automat in den wir oben Glauben hineinwerfen und unten kommt Heilung raus.

Aber wenn deine Erwartungen gestorben sind, erkennst du entweder in deinem sterben­den Kind den Gekreuzigten und gehst den Schritt mit in die Verlassenheit, dann hast du eine Chance, auch die Auferstehung kennen zu lernen – oder du siehst das Grauen des Sterbens deines eigenen Kindes und bewahrst nur die Trostlosigkeit.

Aber so geht das nicht mit Francis. Und ich kann Euch sagen: da war keine Sekunde Grauen. Sie hat sich bis in die letzten Minuten hinein immer wieder aufgerichtet um auf­recht mit uns zu sein, obwohl ihre Wirbelsäule sie nicht mehr trug. Sie saß zwischen ih­ren Geschwistern Sebastian und Lisa um auf jeden Fall präsent unter ihnen zu sein.

Deshalb feiern wir jetzt keine Verzweiflungsfeier, sondern ein bisschen Ostern, ein biss­chen Auferstehung. Als sich abzeichnete, dass es keine Therapieerfolge gibt und wir erstmals über die Möglichkeit des Sterbens sprachen, sagte ich zu ihr: Vielleicht bist du privilegiert. Ich war selbst erschrocken über meine Aussage, aber ihr gefiel der Gedan­ke.

Und soweit ihr im Anschluß an die Bestattung mit nach Seehof kommt, wollen wir auch feiern, denn sie ist dabei.

Nun noch zum besseren Verständnis der Gestaltung:

Der Beginn mit Entzündung einer Kerze und der Klangschale war regelmäßig der Auf­takt zu unserem gemeinsamen Meditations- und Heilungsritual, das ihr so wichtig war. Diese Feier verstehen wir als Fortsetzung.

Die Songs, die wir am Anfang, jetzt und am Ende dieser Abschiedsfeier abspielten, ge­hören zu jenen glücklichmachenden Songs, die sie uns 2013 für den Urlaub auf CD ge­brannt hatte. Sie versorgte uns immer mit den neuesten in der Berliner Musikszene auf­gelegten Scheiben. Wenn wir sie hören, ist sie uns besonders nahe.

Der Wolf war ihr lebenslanger Begleiter. Als Kind sagte sie manchmal: Horch, der Wolf hat gesagt … dann erfand sie eine Geschichte. Als Pfarrer Wolf aus Bamberg sich bereit erklärte, ihr das Sakrament der Krankensalbung zu spenden, freute sie sich sehr über den Namen. Irgendwie kam immer ein Wolf vor an entscheidenden Stellen, meinte sie – deshalb gehört der Wolf auch zu ihrem Andenken.

Nach dem Song „New Slang“ von der Gruppe „The Shins“ bitte ich Euch, soweit ihr könnt und wollt, ein paar Worte von, über oder zu Franziska zu sagen, eine Story, die ihr mit ihr erlebt habt, ein Gedicht, ein Gebet, spontan oder mitgebracht …

The Shins: New Slang 
(Es folgten einige Beiträge)francis_trauerbild_-rueck_flat
Wilco: Either Way