April 2017 (3. Sonntag n. Ostern)

Evangelium vom 3. Sonntag der Osterzeit:
Joh 21,1-14

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal.
Es war am See von Tiberias,
und er offenbarte sich in folgender Weise.
Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling),
Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus
und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
Simon Petrus sagte zu ihnen:
Ich gehe fischen.
Sie sagten zu ihm:
Wir kommen auch mit.
Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot.
Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.
Doch die Jünger wußten nicht, daß es Jesus war.
Jesus sagte zu ihnen:
Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?
Sie antworteten ihm:
Nein.
Er aber sagte zu ihnen:
Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus,
und ihr werdet etwas fangen.
Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen,
so voller Fische war es.
Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus:
Es ist der Herr!
Als Simon Petrus hörte, daß es der Herr sei,
gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war,
und sprang in den See.
Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot –
sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt,
nur etwa zweihundert Ellen –
und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
Als sie an Land gingen,
sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer
und darauf Fisch und Brot.
Jesus sagte zu ihnen:
Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land.
Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt,
und obwohl es so viele waren, zerriß das Netz nicht.
Jesus sagte zu ihnen:
Kommt her und eßt!
Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen:
Wer bist du?
Denn sie wußten, daß es der Herr war.
Jesus trat heran,
nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
Dies war schon das dritte Mal,
daß Jesus sich den Jüngern offenbarte,
seit er von den Toten auferstanden war.

Betrachtung

Zuerst die große Leere, das Burn Out der Jünger, das Untertauchen, aus Angst vor Spitzelei und Verfolgung. Nichts mehr ist da von der Faszination der letzten Jahre, der Wanderschaft mit dem Meister, der Predigten und Heilungen, der mystischen Einblicke auf dem Berg Tabor, der Hoffnung auf den Triumph des Messias in Jeru­salem, alles war zunichte.

Obwohl sich Gerüchte verdichten, dass er noch lebt, es neue Zeichen gibt, die Hoff­nung bringen, haben sich die Jünger wieder dem Fischereialltag zugewandt. Was bleibt ihnen schon als die Rückkehr in die Arbeit, in die Normalität – zu dem, was sie gelernt hatten, bevor der Ruf ihres Freundes und Lehrers an sie erging. Und heute Nacht zeigt sich die Normalität als mühsam, erfolglos, frustrierend. Die Fi­sche gehen nicht ins Netz. Sie sind nicht da, wo sein sollten.

Ein Mann steht am Ufer und spricht sie an. Er will etwas zu essen. Dazu sind Fi­scher da: sie sollen Fisch liefern für die Leute. Sie haben zwar die ganze Nacht er­folglos gefischt – aber auf das Wort und den Rat dessen hin, den sie noch nicht er­kennen, nehmen sie es noch einmal auf sich, wider besseres Wissen. Der Fremde muss etwas Besonderes gehabt haben. Und kriegen so viel Fische in ihre Netze, dass das Boot unterzugehen droht.

Johannes erkennt Jesus zuerst. Dann erst öffnen sich auch Simon wieder die Au­gen. Und da ist sie wieder: die Wirklichkeit des Reiches Gottes, der Geist der Frei­heit, die Atmosphäre grenzenloser Liebe und Geborgenheit, die sie mit ihm zusam­men von Anfang an erfahren haben und in die hinein er sie berufen hatte. Sie er­kennen seine Zeichen wieder. Das Zeichen der Hochzeit zu Kana: bester Wein aus blankem Wasser. Das Zeichen des Jungen mit seinen fünf Fischen: Essen für Fünf­tausend. Das Zeichen des Lazarus: Sieg über den Tod.

Der Rat Jesu war ein Rat aus dem Reich Gottes, das über den Gesetzen der Welt steht. Nicht gegen die Gesetze. Nehmt die andere Seite, sagt er. Was heißt schon die andere Seite: Es ist dasselbe Boot, derselbe See mit denselben Fischen. Es sind dieselben Fischer, aber sie tun es auf das Wort Jesu hin und lassen dadurch die Realität des Einen, Heiligen, Ewigen erscheinen. Jede Erfahrung, jede Fachkenntnis sagt: Es hat keinen Wert, es funktioniert nicht. Aber sie handeln jetzt im Reich Got­tes, im Namen Gottes. Das ist der kleine aber entscheidende Unterschied.

Liebe Schwestern und Brüder, im jüdischen Denken gibt es keine Trennung zwischen unserer und der jenseitigen Welt. Wir sind nur nicht fähig, sie wahrzunehmen. Unsere Augen, alle unsere Sinne werden zurückgehalten, zurückgebogen, von der Schwerkraft des Todes. Mit der Bibel bzw. Paulus gesprochen: Der Tod ist der Sünde Sold. Über die­sen Ereignishorizont des Todes und der von ihm erzeugten Zeitlichkeit des Lebens können wir nicht hinausschauen. Wir sind Gefangene.

So sind die Gesetze der Welt aus unserer Sicht Gesetze der Vergänglichkeit, der Vergeblichkeit, der Null-Summen-Spiele. Wir erleben sie als ungerecht, wenn die Gewissenlosen erfolgreich sind und die Ehrlichen auf keinen grünen Zweig kom­men. Wenn die Fische nicht beißen, müssen wir eben aufhören. Wenn die Konzerne uns das Wasser abgraben um es dann in Plastikflaschen teuer zu verkaufen, kön­nen wir nichts machen. Wenn sie uns zwingen, genetisch verändertes Saatgut zu kaufen und gleich die passenden Substrate dazu und verhindern, dass wir eigenes Saatgut weiterpflegen, obwohl es besser und gesünder wäre, dann zucken wir mit den Achseln.

Allzuschnell finden wir uns ab damit, dass unseren Einflussmöglichkeiten Grenzen gesetzt sind. Wir verzweifeln daran, dass unsere Träume nicht wahr werden wollen. Das Leuchten schwindet dahin und wir werden grau und müde. Auch die Jünger Jesu waren gerade dabei, deprimiert ihren alten Alltag wieder aufzunehmen.

Dann steht ein Mann am Ufer und sagt: Werft die Netze auf der anderen Seite aus. Glaube an die Welt und ihre Qualität. Sie stammt vom Vater, von dem Schöpfer, der gesagt hat: Es ist alles sehr gut. Und Jesus geht mit Euch über Eure Felder und durch Eure Ställe, an Eure Arbeitsplätze und Höfe und Küchen oder fährt mit Euch zum Arbeitsplatz, in Lagerhallen, Werkstätten und Büros. Er würde auch mit in die Wolkenkratzer der Bankhäuser gehen, wenn man ihn reinließe. In seiner Begleitung sehen wir die Welt unter dem neuen Gesetz der Liebe und wir behandeln sie ent­sprechend. Glauben wir an seine Gegenwart, an seine Liebe unter uns. Glauben wir an uns selbst, an die Kraft der Liebe in unseren Herzen.

Dieser Glaube ist die Auferstehung. Wer ihn ergreift, ist mit Christus auferstanden.

Nachfolge Jesu: Das heißt, dasselbe Meer, dasselbe Boot, dieselben Fischer, diesel­ben Fische. Nach der Auferstehung ist die Welt dieselbe geblieben. Alltag, Erfolg und Erfolglosigkeit, Mühe, Stress, kurze Freude, Jugend und Alter. Wenn wir Glück haben, ohne Krieg, Mord und schlimmes Unglück. Und doch: Es gibt immer Licht in der Finsternis, es gibt Erkenntnis, es gibt zunehmende Vernunft in all dem Kampf und Streit. Es gibt Hoffnungen, es gibt Visionen, Veränderungen und Umschwünge zum Besseren.

153 lebende Fische bringen die Jünger an Land: In der jüdischen Zahlensymbolik die Zahl für gelungenes Leben, erfülltes Leben. Und zwar für ein Leben, das alle vorangegangenen Irrtümer und begangenen Sünden und Schulden überwunden und verwandelt hat. So wird auch Petrus im nächsten Abschnitt des Evangeliums Frieden mit sich und seinem Versagen finden.

Wir alle haben die Chance, die Resignation, die Melancholie ebenso wie den Wahn von Macht und Ausbeutung zu überwinden. Wir alle sind Fischer auf dem unruhigen See, in dieser anstrengenden, mühsamen Welt, unter den geplagten Mitmenschen am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, in der eigenen Familie. Trotz Stress, zeitli­cher Enge, trotz Hektik und Erschöpfung sind Augenblicke des Innehaltens und Zu­hörens, der freundlichen Geste, des absichtslosen Interesses möglich. Trotz Ein­schüchterung durch die Mächtigen, seien sie Präsidenten oder Konzernvorstände, trotz Terror und Angst sind besonnenes und selbstbewusstes Handeln möglich.

Es gibt Weggefährten, die Freunde werden. Man muss sie erkennen. Es gibt die Ge­meinschaft der Heiligen, hier und in der Welt, in die wir nicht schauen können, die uns stärkt und tröstet. Es gibt das gemeinsame Hören des Wortes, das gemeinsa­me Mahl. All das sind Leuchtzeichen der auferstandenen Welt.

Veröffentlicht von

kuffersepp

Sepp Kuffer, geb. 1948. 1970 - 72 Mitglied der Land- und Musikkommune Lord's Family. Danach 36 Jahre im Pflegedienst tätig. Lebenslange künstlerische Tätigkeit als Maler/Grafiker, Musiker, Autor und Filmemacher. "Es gibt nur eine Energie, die uns helfen und heilen, kreativ schaffen und den Alltag und die Welt und unsere Beziehungen gestalten lässt. Es ist der Hauch aus dem Mund Gottes, der Geist, oder wie immer wir die Präsenz Gottes in seiner Welt nennen wollen"

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